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Pfarreiengemeinschaft Durach - Weidach - Bodelsberg
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21-07-2018 Pastoralbesuch in unserer PG

Der Herr Weihbischof bei uns zu BesuchDas Erleben des Alltags der Gläubigen und die Stärkung und Ermutigung im Glauben standen im Mittelpunkt der [weiterlesen...]
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Tagesheiliger vom
16. 08. 2018:
Hl. Stephan von Ungarn

Durach - Hl. Geist

Wenn man den Innenraum der Duracher Heilig - Geist - Kirche betritt, begegnet uns etwas vom künstlerischen Glanz der Fürstabtei Kempten, der Durach früher angehörte. Kirchenkenner sprechen von einer organischen Entwicklung von der Spätgotik bis zum Neubarock. Seit den archäologischen Ausgrabungen im Herbst 1997, wo Fundamente einer romanischen Vorgängerkirche zum Vorschein kamen, weiß man, dass hier drei große künstlerische Stilepochen in sich vereinigt sind: Romanik, Gotik und Barock.


Das Gesamtbild mit dem Hochaltar, auf dem Gottvater thront, mit den Deckengemälden, den Seitenaltären und Seitenfiguren und den Stukkaturen wird deutlich vom Barock bestimmt. An den Seitenflügeln des Hochaltars sind die Apostelfürsten Petrus und Paulus platziert. Das Deckengemälde zeigt eine imposante Darstellung der Heiligsten Dreifaltigkeit. Beim Eintritt in den Altarraum stehen oben die Wandfiguren der heiligen Theresa von Avila auf der linken und der seligen Crescentia von Kaufbeuren auf der rechten Seite. An deren Stelle deuteten früher zwei Figuren der hl. Afra und der hl. Katharina auf den gotischen Ursprung der Kirche. Während sich die Statue der Katharina erhalten werden konnte, ist der Verbleib der Afra-Statue unbekannt.


Der Taufstein zeigt die Taufe Jesu am Jordan. (siehe Bild) Die beiden vorderen Seitenaltäre sind links der Herz-Jesu-Altar mit einer Statue des hl. Wendelin, rechts der Josefsaltar mit der Figur des heiligen Magnus. Das vordere Kirchenschiff wird überragt von dem Deckengemälde, das die Verkündigung Mariens darstellt. Umrahmt wird dies durch kleine Bildnisse aus dem Leben des jungen Jesus. Hinten rechts die Geburt Christi, vorn rechts die Darstellung Jesu im Tempel, vorn links die Flucht nach Ägypten und hinten links der 12jährige Jesus im Tempel. Am Übergang zum großen Längsschiff grüßen links die Wandfigur des hl. Aloisius und rechts die des hl. Antonius von Padua. Mit dem Bau des hinteren und leicht erhöhten Kirchenschiffs anno 1754 vollzog sich die langsame Umgestaltung zum Barock. Hier stehen auch zwei sehr wertvolle Seitenaltäre mit Gemälden von dem bekannten Franz Josef Hermann, der als Kunstmaler des Fürstabts auch die Kemptener Residenz geschaffen hat.


Links sehen wir den Magnus- Altar mit dem Apostel des Allgäus und einer schönen Pieta, oben die hl. Appolonia. Rechts ist der Schutzengelaltar und oben die Statue der hl. Barbara. Hier begegnen wir der gotischen Schnitzfigur Anna Selbdritt. (siehe rechts) Der hoch oben bei Eintritt ins Vorderschiff prangende Heilige Geist in Gestalt einer Taube verleiht der Heilig - Geist - Kirche einen besonders starken Eindruck, zumal auch hier der qualitativ hochwertige Stuck ins Auge sticht.

Erst 1875 wurde das große Deckengemälde von dem Kunstmaler Ludwig Glätzle aus München geschaffen. Es zeigt in barocker Dramatik das Pfingstwunder der Sendung des Heiligen Geistes. Hier entstand der enge Bezug aller drei großen Deckengemälde, die den ganzen Kirchenraum prägend, vom Wirken der dritten göttlichen Person künden. Umrahmt wird das Pfingstgemälde von Darstellungen der vier Evangelisten: Matthäus, Lukas, Markus und Johannes.

Erwähnenswert ist auch die künstlerisch reich ausgestattete Kanzel, auch sie überthront von der Taube des Heiligen Geistes. Hier sehen wir auch die großen Kirchenlehrer des Alten Testaments.

Relativ neu ist die von Pfarrer Hörmann errichtete Muttergottesgrotte, die umrahmt wird von altehrwürdigen Rosenkranzmedaillons. Diese wurden in früheren Zeiten von Frauen der Gemeinde bei Prozessionen mitgetragen.

Es lohnt sich sicherlich, unsere künstlerisch interessante Heilig-Geist-Kirche auch einmal außerhalb des Gottesdienstes einer eingehenden Betrachtung zu unterziehen.

kurze theologische Deutung des neu gestalteten Altarraums

Im Alten Testament in Exodus 31,1-6 ist die Rede von der Beauftragung von Künstlern und Handwerkern: "Der Herr sprach zu Mose: Siehe, ich habe Bezalel, den Sohn Uris, den Enkel Hurs, vom Stamm Juda, beim Namen gerufen und ihn mit dem Geist Gottes erfüllt, mit Weisheit, mit Verstand und Kenntnis für jegliche Arbeit: Pläne zu entwerfen und sie in Gold, Silber und Kupfer auszuführen und durch Schneiden und Fassen von Steinen und durch Schnitzen von Holz allerlei Werke herzustellen." Je mehr ich mich mit der Ausgestaltung des Chorraumes beschäftigte, desto klarer wurde mir, dass es nicht nur darum geht, eine gute formale Lösung zu finden, sondern dass alles mit Inhalt erfüllt wird und eine Einheit zwischen dem Alten und Neuen entsteht. Der neue Bodenbelag mit den beiden Blockstufen (Jura - Marmor) verbindet durch Farbe und Material den Chorraum mit dem Hauptschiff. Die 1. Stufe ist ein Bindeglied zwischen Priester und Volk. Auf ihr stehen der Ambo, der Osterleuchter und das Taufbecken. Auf der 2. Stufe steht der Volksaltar, der dem Messopfer vorbehalten ist.

Osterleuchter

Christus ist auferstanden. Er hat den Tod überwunden, er hat ihn besiegt! Diese Botschaft hat mich dazu gebracht, den Osterleuchter wie eine Siegessäule zu gestalten. Zurückhaltend im Material: Säule aus Jura - Marmor mit eingraviertem Christuszeichen, aufgesetzte Kerzenschale in Messing und Edelstahl poliert, getragen von einem Mittelpfeiler, der sich in 3 dünnere Tragelemente mit Kreuzen verzweigt (Dreieinigkeit).

Die Osterkerze, hier aus dem Jahr 2004, erhebt sich als Hauptschmuckelement, als Symbol des Sieges. Der Osterleuchter steht bewusst in der Nähe des Taufbeckens. Taufe ist die Aufnahme in die Gemeinschaft mit Jesus Christus.

Ambo

Der Ambo ist doppelseitig: Die zum Chor zugewandte Seite für Priester und Lektor, die andere Seite zur Darstellung des Evangeliums an das Volk. Der Ambo wurde bewusst an die Vorderkante der Stufe gesetzt, damit sichtbar wird, daß der Priester das Evangelium zum Volk bringt. Der Ambo steht auf einem Sockel aus Jura - Marmor. Als tragendes Element dienen 4 Säulen, die symbolhaft die 4 Evangelien darstellen. Auf ihnen ruht das Lesepult wie ein kleiner Tempel mit einem Fries aus 12 goldenen Kreuzen. Diese erinnern an die 12 Apostel, die zuerst den christlichen Glauben verkündeten.

Altar

Die Gestaltungsaufgabe war, eine Verbindung zwischen dem freigelegten Altar aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts und dem darüber liegenden Volksaltar zu schaffen. Außerdem sollte die Kraft des Heiligen Geistes als Gestaltungselement zum Ausdruck gebracht werden. Der Geist Gottes in Form von Feuer erscheint in Exodus 3,2: "Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht." Exodus 13,21: "Der Herr zog vor ihnen her, bei Tag in einer Wolkensäule, um ihnen den Weg zu zeigen, bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten. So konnten sie Tag und Nacht unterwegs sein." Im Neuen Testament heißt es in der Apostelgeschichte 2,3-4: "Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder." Als zweites Symbol des Heiligen Geistes begegnen wir der Taube, z.B. bei der Taufe Jesu, nach Matthäus 3,16, Markus 1,10, Lukas 3,22: "Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen."

Altaraufbau

Der Sockel ist aus Jura Marmor. Die darauf stehenden 4 Säulen, die wiederum die 4 Evangelien versinnbildlichen, tragen die Altarplatte (Jura - Monolit). Querverbindungen und Rahmen halten den Mittelteil. Eine Scheibe aus Holz geschnitzt und vergoldet stellt den Heiligen Geist in Form einer Taube dar, der die Welt umfasst. Die Flügelspitzen umfassen den Reliquienschrein aus Edelstahl und Gold. Am unteren Teil des Schreines ist ein Bergkristall eingearbeitet, der nach unten zum früheren Altar hinweist und die Verbindung zu dem sich dort befindenden großen Bergkristall aufnimmt. Auf ihm und über ihm züngeln goldene Flammen empor, die die Kraft des Heiligen Geistes vermitteln, wie es Lukas (24, 32) in seiner Emmausgeschichte erzählt: "Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloß?" Zwei weitere Blockstufen führen zum Hochaltar (um 1880). An diesem befindet sich in der Mensa ein vergoldetes Halbrelief, das den Zug der Israeliten ins gelobte Land darstellt. Exodus 16,4: "Da sprach der Herr zu Mose: Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen." Es wäre eine große Freude, wenn sich mit dem neu gestalteten Altarraum das Wort Exodus 20,24 erfüllen würde: "An jedem Ort, an dem ich meinem Namen ein Gedächtnis stifte, will ich zu dir kommen und dich segnen."

Günter Doriat